Corona-Ausbruch im Pflegeheim –
Auch zweites Caritas-Centrum betroffen

Vöhringen, 14.12.2020. In der vergangenen Woche konnte mithilfe engmaschiger eigener Testungen seitens illerSENIO ein größerer Corona-Ausbruch im Vöhringer Caritas-Centrum aufgedeckt werden. Diese Teststrategie hat am vergangenen Wochenende nun auch im Caritas-Centrum Illertissen eine Anzahl von 19 zusätzlichen Fällen ermittelt. Die Entwicklung aller Fallzahlen wird intern weiterhin sehr engmaschig kontrolliert. Um alle Personalressourcen zu bündeln und für die kommenden Wochen bereitzuhalten, hat sich illerSENIO dennoch zur Schließung der Tagespflege-Einrichtungen und der ambulanten hauswirtschaftlichen Dienstleistungen entschlossen. Aus demselben Grund werden auch die fünf Sozialstationen vorläufig nur im Minimalmodus weiterbetrieben. 

Sieben Tage sind mittlerweile vergangen, seitdem die selbst durchgeführte Reihentestung am 07.12.2020 dem Caritas-Centrum Vöhringen stark gestiegene Fallzahlen bescheinigte. Gleich 50 Bewohner und 16 Mitarbeiter wurden in dieser Testung als positiv ermittelt. Fünf Bewohnerinnen bzw. Bewohner sind dort seither mit Covid-19 verstorben, bei denen jedoch die typischen Corona-Symptome überwiegend ausblieben. Ausgangspunkt für die Aufdeckung der Infektionskette in Vöhringen war eine völlig symptomfreie Person, der bei routinemäßigen Stichproben im Rahmen des umfassenden Test-Settings ein positives Ergebnis bescheinigt wurde. Beim jüngsten Reihentest am Wochenende wurden nun auch im Caritas-Centrum Illertissen 19 Bewohnerinnen bzw. Bewohner und 12 Pflegekräfte als Corona-positiv erkannt. Aufgrund der sofortigen Sicherheitsmaßnahmen konnten bislang sämtliche Ansteckungen innerhalb weniger Wohnbereiche isoliert werden. Drei von fünf Wohnbereichen in Vöhringen sind weiterhin Corona-frei, in Illertissen ist bisher nur ein einziger regulärer Wohnbereich betroffen. Die dort seit Frühjahr etablierte Covid-19-Isolierstation war bereits seit ihrer Inbetriebnahme baulich und personell völlig autark, sodass weder über Patienten noch über Personal Ansteckungen mit anderen Abteilungen erfolgen konnten. Da illerSENIO seit Monaten mit strikt voneinander separierten Teams arbeitet, bestand zu keinem Zeitpunkt ein Ansteckungsrisiko von einem Standort zum anderen oder gar von stationären zu ambulanten Pflegebereichen. Anderslautende Spekulationen diesbezüglich entbehren nachweislich jeder Grundlage.

Umfassendes Testprocedere
Seit April 2020 hat illerSENIO in enger Kooperation mit einem regionalen Labor ein engmaschiges, schnelles und in dieser Form in Schwaben einzigartiges Testprocedere etabliert. Ein struktureller Vorteil im Kampf gegen Corona, weil die Ergebnisse der zuverlässigen PCR-Tests in aller Regel noch am selben Tag vorliegen. Während der letzten acht Monate wurden mehrere tausend dieser Tests durchgeführt. Ein nicht nur logistischer Kraftakt, der bis jetzt Zusatzkosten in sechsstelliger Höhe verursacht hat. Wie entscheidend der Zeitgewinn durch dieses optimierte Procedere sein kann, zeigt sich besonders bei der Identifizierung von asymptomatischen Covid-19-Fällen, die für die weitere Ausbreitung des Virus eine maßgebliche Rolle spielen.

Allgemeines Informationsdefizit
Geschäftsführer Dominik Rommel sieht illerSENIO in einer paradoxen Situation: „Ich befürchte, dass die Öffentlichkeit durch die bisherige Berichterstattung übersieht, was ganz entscheidend ist: Wir haben diese hohen Fallzahlen nicht deshalb, weil wir nachlässig waren. Sondern ganz im Gegenteil, weil wir flächendeckend und aus eigener Sorgfaltspflicht auch symptomfreie Personen, also nicht bloß klare Verdachtsfälle, getestet haben. Speziell in der Pandemie gilt: Wer gewissenhafter sucht, der findet auch mehr.“ Nachdem illerSENIO zuletzt in der Presse dafür gerügt wurde, den Ausbruch zu zögerlich publik gemacht zu haben, erläutert Einrichtungsleiter Sebastian Lautenfeld die konkreten Abläufe: „Über die neuesten Fallzahlen haben wir die Behörden täglich proaktiv informiert und stehen ununterbrochen in Kontakt mit dem Öffentlichen Gesundheitsdienst. Unsere Konzentration gilt in dieser Ausnahmesituation selbstverständlich ganz klar den unmittelbar Betroffenen und ihren Angehörigen, die umgehend von uns informiert wurden. Weil Infizierte sofort isoliert wurden, war zu keinem Zeitpunkt eine Ansteckungsgefahr für die Allgemeinheit gegeben.“ Wie unglaublich schnell sich das Virus innerhalb eines Pflegeheims ausbreiten kann, verdeutlicht der Blick auf den Verlauf des Ausbruchs in Vöhringen. Noch am selben Tag, als die asymptomatische Person als erste positiv getestet wurde, erfolgte eine Reihentestung des Wohnbereichs mit dem Ergebnis, dass auch dort schon vier Senioren betroffen waren. Die darauf durchgeführte Reihentestung aller Wohnbereiche ermittelte 15 Infizierte, die des nächsten Tages bereits ganze 50. Lautenfeld dazu: „Was leider in der öffentlichen Betrachtung oft falsch eingeschätzt wird: Wir reden von einem exponentiellen Fallanstieg in einem Pflegeheim. Zwischen völliger Corona-Freiheit und 50 Infizierten lagen bei uns fünf Tage und drei Testreihen – obwohl wir in allen Hygiene- und Sicherheitsbereichen über Referenzniveau sind.“

Alle Kräfte mobilisiert
Trotz der hohen Fallzahlen in den Caritas-Centren haben bislang glücklicherweise nur wenige Personen die typischen Covid-19-Symptome entwickelt, kein Patient musste künstlich beatmet werden. Als klares Ziel wurde für die gesamte Organisation des Caritasvereins Illertissen ausgegeben: Sowohl Bewohnerinnen und Bewohner als auch das eigene Personal sollen gesundheitlich so unbeschadet wie nur möglich diese Zeit überstehen. Für den anzunehmenden Fall, dass die Zahlen in den nächsten Tagen und über Weihnachten weiter deutlich ansteigen sollten, wurden sämtliche Vorkehrungen getroffen, um einen möglichst großen Personalpool bereitzuhalten. Weil durch Quarantäne-Maßnahmen weiterhin viel Personal auszufallen droht, wurden – um alle Personalressourcen zu bündeln – direkt alle Tagespflege-Standorte in Bellenberg, Buch, Illertissen und Senden geschlossen sowie die hauswirtschaftlichen Dienstleistungen des Seniorenservice eingestellt. Kunden der ambulanten Pflege, die auf eine Versorgung auch nicht vorübergehend verzichten können, werden indes weiterhin durch ein autark arbeitendes Kernteam der Sozialstation betreut.

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